Besondere Kinder – ein besonderes Haus – eine besondere Atmosphäre
Wie der Sprachheilkindergarten St. Lamberti Kinder mit Entwicklungsverzögerung fördert
Hildesheim. An der Tafel ist mit Kreide eine kleine Zeichnung angebracht. Die Logopädin Karin Golanowski hat das kleine Bild gemalt. Kim, ein Kind von dem Sprachheilkindergarten St. Lamberti muss raten. “Ein Krokodil” rät sie. Dass das richtig geraten ist, darauf kommt es Golonowski gar nicht so an. Es geht ihr darum, Kim “zu locken”, wie Ulrike Witzel, die Leiterin der Einrichtung, erklärt. “Wir arbeiten grundsätzlich spielerisch”, erläutert sie den Ansatz dieses speziellen Kindergartens, in dem die Kinder sechs Stunden pro Tag sind, um in kognitiven, sozialen, motorischen und musischen Bereichen individuell gefördert werden zu können.
Kim hat heute viel zu tun, wie ihre Logopädagogin bemerkt. Sie hat eine “1″ gewürfelt. Deshalb muss sie eine Karte ziehen und selbst was an die Tafel malen. Ihre Aufgabe ist recht schwer. Sie soll Tierkrallen malen. Es gelingt ihr so gut, dass Karin Golanowski es gleich erkennt und das Spiel beiden Spaß macht.
In einem anderen Raum sitzt der Atem-, Stimm- und Sprechlehrer Peter Przychodniak mit Mustafa. Auch diese beiden sind am “Zocken”, wie Przychodniak schmunzelnd sagt. “Wieviele Pilze sind das?”, fragt er Mustafa und zeigt auf die Spielkarte. Mustafa zählt. “Sieben”, antwortet er. “Sieben was?”, bleibt der Sprechlehrer energisch. “Sieben Stück”, so der Junge. Przychodniak schmunzelt wieder. Mustafa sollte eigentlich sieben “Pilze” sagen und die Pluralbildung von Substantiven lernen. Aber der Sprachlehrer freut sich auch über die List, die Mustafa entwickelt hat, um der Frage auszuweichen. “Ein Zeichen für Intelligenz”.
Die Kinder sind gern im Sprachheilkindergarten und fühlen sich in den Räumen und auf dem Außengelände wohl
“Was in andren Kindergärten die Norm ist, ist hier ein Ziel”, beschreibt Witzel den Alltag in dieser Kita. Um zu lernen, wie man ruhig an eibem Tisch mit andren Kindern sitzt, schaffen die Sprachtherapeuten, Psychomotoriklehrer und Psychologen der Einrichtung immer wieder Anlässe wie Frühstück vorbereiten, Einkaufen, Rituale. Das hilft, die Entwicklungsverzögerung der Kinder spezifisch zu erkennen und zu therapieren.
Allein konzentriert spielen geht schon ganz gut. Mit anderen zusammen spielen, wird der Junge im Sprachheilkindergarten in der nächsten Zeit lernen
Im Haus am “Hinteren Brühl” fühlen sich die Kinder und die Mitarbeiter sehr wohl. “Es stimmt”, so Witzel. “Hier sind besondere Kinder, ein besonderes Haus und eine besondere Atmosphähre”. Ein bisschen Stolz spricht auch aus ihren Worten, wenn sie berichtet, dass ihre Einrichtung seit 1960 besteht und die erste in Hildesheim gewesen ist.
Frank Uhlhorn

