Wenn Kinder über Sterben und Tod reden möchten

Kita „Regenbogen“ in Harsum stellt sich jedes Jahr dem schwierigem Thema

Harsum. „Schließt einmal die Augen“, sagt Erzieherin Martina Ernst von der Kita Regenbogen in Harsum. „Schließt einmal die Augen und werdet ganz ruhig und konzentriert euch auf euren Atem“. Um die Erzieherin herum sitzen im Halbkreis fünfjährige Kinder. Meditative Musik erklingt. Die Kinder werden tatsächlich ganz still, was bei so kleinen Menschen sicher nicht selbstverständlich ist. Sie kennen das, was jetzt kommt, denn sie haben sich für die „Arbeitsgemeinschaft Sterben und Tod“ gemeldet.

„Was haben wir das letzte Mal gemacht?“, fragt Ernst. Charlotta und Silas erzählen von Steinen, die sie bunt angemalt haben. Charlotta hat sie auf das Grab ihres Großvaters gelegt. Die Erzieherin hat mit ihnen die Natur beobachtet. Sie haben gesehen, dass die Bäume jetzt im Februar und März zwar ganz tot aussehen, aber wenn man ganz genau schaut, kleine Knospen an den Zweigen sind. Die Kinder haben Weizenkörner eingepflanzt und die Frage gemeinsam beantwortet, woran man erkennt, dass man lebt und wie das ist, wenn man tot ist. Für das nächste Mal ist ein Besuch beim Bestatter geplant, der zum festen Programm der „Arbeitsgemeinschaft Sterben und Tod“ gehört.

Heute erzählt Martina Ernst eine Geschichte. Sie handelt von Lukas, der seine Großmutter  sehr lieb hat. Doch die Großmutter wird krank und muss sterben. Aus der Sicht des Jungen wird erzählt, wie die tote Großmutter sich anfühlt, als er sie streichelt, wie eine Trauerfeier abläuft und wie die Trauergemeinde hinterher auf den Friedhof geht und der Sarg in die Erde gelassen wird. „Na, was meint ihr“, fragt Martin Ernst, „ist die Oma jetzt im Himmel?“ „Nein“, antwortet eines der Kinder. „Nur ihre Seele ist im Himmel“. Martina Ernst freut sich über diese Antwort.

Kita Regenbogen

Die Kinder kommen gern zur Arbeitsgemeinschaft Sterben und Tod und hören aufmerksam die Geschichte, die ihnen erzählt wird

Die Erzieherin ist für diese Aufgabe extra ausgebildet. Seit acht Jahren arbeitet sie im Hospizverein Hildesheim ehrenamtlich als Sterbebegleiterin. Vom Kinderhospiz „Löwenherz“ vor den Toren Bremens wurde sie als Kindersterbebegleiterin geschult und eine Trauerausbildung hat sie auch absolviert. Dass sie im Kindergarten dieses schwierige Thema behandelt, geht auf eine Initiative einer Mutter zurück. Sie sprach die Erzieherinnen an, ob sie ihrer Tochter nicht Antworten auf die vielen Fragen nach Sterben und Tod haben. Seit mehr als fünf Jahren veranstaltet die Kita nun mit den Vorschulkindern eine Arbeitsgemeinschaft. Die Eltern im Dorf sind sehr angetan, es hat sich schnell herumgesprochen, dass Martina Ernst genauso einfühlsam und vorsichtig, wie auch mutig und ehrlich mit den Kinderfragen umgehen kann.

Zum Schluss der Einheit erklärt die Sterbebegleiterin, die übrigens auch Kurse für Erwachsene, für Eltern und Angehörige anbietet, dass es neben der Erdbestattung auch die Möglichkeit einer Feuer- und Seebestattung gibt. „Was willst du dir denn aussuchen?“, will ein Mädchen wissen. „Das muss ich mir nochmal überlegen“, antwortet Ernst. „Jedenfalls nicht die Seebestattung. Ich bin nicht so gern am Meer.“ „Och“, entgegnet die Kleine, „ich gehe aber gern ins Schwimmbad!“ So konnte bei diesem schweren Thema am Schluss sogar noch ein wenig geschmunzelt werden.

Frank Uhlhorn

 

 

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